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Bericht der Exkursion Point Alpha - Erfurt - Leipzig - Buchenwald im Januar 2012

 

Fahrt nach Leipzig und Buchenwald Tag 1

 

Vom 26.02. bis zum 29.02. unternahmen der Geschichtsleistungskurs der PSI, sowie einige andere interessierte Schüler aus anderen Geschichtskursen eine Exkursion nach Leipzig und Buchenwald. Den ersten Tag verbrachten wir, nachdem wir dann doch später als halb 8 losgefahren waren, die meiste Zeit im Bus. Zwei Zwischenstationen allerdings gab es auf dem Weg nach Leipzig. Die erste Station war Point Alpha, eine Gedenkstätte an der ehemaligen Grenze zwischen der Bundesrepublik und der DDR. Hier besichtigten wir zuerst eine allgemeine Ausstellung zur deutsch-deutschen Grenze, dann schauten wir uns bei Eiseskälte die noch original erhaltenen Grenzanlagen und den ehemaligen amerikanischen Militärstützpunkt Point Alpha an. Es war beeindruckend zu sehen, wie nah sich hier doch die Parteien des Kalten Krieges gegenüberstanden und auf welche unmenschliche Art die Grenze gesichert war. Nachdem beim Mittagessen in der Kantine jeder mal seine Nudeln auf den Boden geworfen hatte, ging unser Weg weiter nach Erfurt. Unser Programmpunkt dort hieß Gedenkstätte Firma Topf & Söhne meiner Meinung nach das Interessanteste aber auch Verstörendste, was wir an diesem Wochenende gesehen haben. Topf & Söhne war eine Ofenbaufirma, die sowohl die Verbrennungsanlagen (Krematorien) für viele Konzentrationslager, als auch die Belüftungssysteme für Auschwitz lieferte. Ein Beispiel dafür, wie sich im Dritten Reich nationalsozialistische Ideologie und wirtschaftliches Interesse überschnitten. Der Betrieb beschäftigte, um sie vor dem Konzentrationslager zu retten, auch viele Menschen jüdischer Herkunft wie auch Kommunisten und Sozialdemokraten. Ironischerweise wirkten sie hier an der Schrecklichkeit des KZ mit, der unglaublich viele Juden und politische Häftlinge ausgesetzt waren, von der sie selbst aber gerade dadurch verschont blieben. Das Grausamste aber an der Firma Topf & Söhne war, dass man von dort aus, den Berg sehen konnte, auf dem sich damals das KZ Buchenwald befand. Wenn also wieder einmal schwarzer Rauch aus den Schornsteinen der Verbrennungsanlage kam, konnten die Mitverantwortlichen es von ihrer Arbeitsstelle aus sehen. Nachdem wir all diese Eindrücke mehr oder weniger gut verarbeitet hatten, fuhren wir schließlich zu unserem Endziel. Die meisten von uns ließen dort den Tag in einem großartigen Irish Pub in der Fußgängerzone von Leipzig ausklingen.

Jasmin Klotz

 

Fahrt nach Leipzig und Buchenwald Tag 2

 

Führung im Zeitgeschichtlichen Forum:

 

Das Gebäude befindet sich direkt in der Innenstadt , so zu sagen im Herzen Leipzigs , in der Grimmaischen Straße gegenüber vom Alten Rathaus und fällt vor allem durch die massive kopflose Skulptur am Eingang auf. Dargestellt wird der moderne Mensch unter der Herrschaft der Diktatur, der linke Arm hebt die Faust und steht damit für die Diktatur der SED , der rechte Arm hingegen zeigt den Hitlergruß und steht damit für die Herrschaft der NSDAP, beide Diktaturen haben unser Land maßgeblich verändert und beeinflusst. Dieser Denkanstoß begleitet einen nicht nur durch das Forum, sondern während der gesamten Exkursion. Dieses Museum hat sich zum Ziel gesetzt das kommunistische Herrschaftssystem zwischen Verführung und Gewalt, zwischen Zustimmung und Unterdrückung, zwischen partieller Identifikation und totaler Herrschaft zu zeigen und damit eine Verharmlosung und Beschönigung zu verhindern.

Am Freitagmorgen um 9:00 fing die Führung im Zeitgeschichtlichen Forum für die Exkursionsteilnehmer an. Dieses Museum stellte sich als Pendant zum Haus der Geschichte Bonn, das wir eine Woche zuvor besucht hatten, heraus. Der Schwerpunkt liegt hier eben auf der Entwicklung Ostdeutschlands nach dem Krieg und geht gewohnt chronologisch vor und unterteilt dabei in zwölf Schwerpunkte (Nachkriegsplanungen, Kalter Krieg und deutsche Frage;Gründung der Bundesrepublik und der DDR;Herrschaftssicherung durch die SED;Mauerbau;Deutsch-deutsche Beziehungen im internationalen Kontext;Wirtschaftspolitik im 'real existierenden Sozialismus';Kultur- und Jugendpolitik der SED;KSZE und deutsch-deutsche Beziehungen;Prager Frühling und Opposition in der DDR;Ausbau des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS);Friedliche Revolution 1989 und Wege in die Gegenwart).

 

Vom mittig rechten mittelgrauen Feld bis zum hellgrauen Feld darunter arbeitet man sich gegen den Uhrzeigersinn, entsprechend der Themen durch. Zusätzlich kann man sich auch noch im Informationszentrum weiterbilden und die Ausstellung Spiegelungen. 40 Orte - 20 Namen besuchen. Sogar im Aufzug konnte man politischen Reden lauschen.

Bei dem Besuch sollten wir uns allerdings auf die Schwerpunkte: Alltagsleben in der DDR, Ministerium für Staatssicherheit (Stasi) , Jugend in der DDR und Ursachen der friedlichen Revolution konzentrieren. Zu letzterem gibt es eine ständige Ausstellung im Leipziger Stadtraum , mit dem Namen Orte der Friedlichen Revolution , von denen zumindest der Augustusplatz mit der Oper, der Universität und dem Gewandhaus ,sowie schließlich die Nikolaikirche unter der Führung von Herrn Klein näher betrachtet wurden. Natürlich gehört auch die Runde Ecke zu diesen Orten, weswegen wir auch dort eine Führung durch das Museum hatten.

Was haben wir nun also über das Alltagsleben in der DDR erfahren? Wie bei Point Alpha wurden wir auch hier wieder auf die zentrale Bedeutung des Wohnzimmers für das Privatleben der DDR Bürger verwiesen. Hier hatten sie die Möglichkeit ihre Gedanken zu äußern und unter anderem auch etwas von der Außenwelt zu erfahren, das nicht propagandagesteuert war. Das Westfernsehn nicht nur als wichtige Informationsquelle, sondern auch als potenzielle Gefahr, denn vor allem Kinder wurden häufig ausgefragt um die Eltern zu überführen. Das Mobiliar hergestellt von einem einzigen Vertrieb.

 Laut SED sollte der Arbeitsplatz der Mittelpunkt des Lebens für seine Arbeiter sein,deswegen auch oft recht komfortabel gestaltet, so hatten größere Firmen Kinderbetreuungen eingerichtet um die Mütter zu entlasten. Generell sollte die Gleichstellung der Frau im Arbeitsleben gefördert werden ,was ihre Rolle im Alltag jedoch kaum änderte.

 

Den Ansprüche der Bürger versuchte man mit eigenen Produkten zu begegnen, so gab es zum Beispiel auch Modekataloge und dergleichen , nur leider kam die bestellte Ware fast nie an. Sonderware, wie Bananen oder was auch sonst schwer zu bekommen war ,konnte bei bekannten Ladenbesitzern mit einer Gegenleistung erstanden werden, so genannte Bückware, da sie hinter dem Tresen versteckt lag. Auch Bekannte aus der Bundesrepublik verschickten oft Päckchen ,allerdings wurden diese von der Stasi gründlich durchsucht und regelrecht ausgeraubt, denn nicht nur Geld und Musikkasetten wurden entwendet ,sondern auch Schokolade und anderes.

Natürlich war man in seiner Meinung und Freiheit beschränkt ,stand ständig unter Beobachtung des Ministerium der Staatssichheit und sein Mitbürger und musste auch in Kauf nehmen ,dass man wenn man nicht Systemkonform war von höheren Berufen ausgeschlossen wurde und zum Teil extreme Haftstrafen oder sogar Gewalt erfahren musste.

Die Jugend passte sich da nicht immer an ,nicht nur was die Kunst betrifft,denn Rock´n´Roll und andere musikalische Richtungen , wie später auch der Beat standen auch bei den Jugendlichen der DDR hoch im Kurs , sondern auch was den Kleidungsstil betraf , was nach einigen Debatten letztendlich dazu führte ,dass die Jeans ,als Zeichen des amerikanischen Imperialismus ,auch in der DDR erlaubt war. Trotzdem wurde immer wieder protestiert und in den 70er Jahren etabliert sich eine Liedermacherszene, am bekanntesten Wolf Biermann. Die Kirche trägt bei dabei eine entscheidende Rolle, wo viele einen Freiraum finden.

 

Die Enttäuschung und Schockiertheit über den Verlauf und das Scheitern des Prager Frühlings haben viele Menschen bewegt, zudem ist die Wirtschaft in einem desolaten Zustand, denn die DDR ist bankrott. Eine Welle von Flüchtlingen bricht aus. Allein die deutsche Pragerbotschaft ist mit 7000 Menschen überfüllt und noch mehr wollen über die deutsch-ungarische Grenze fliehen, so dass diese sich diesen Massen nicht mehr gewachsen sehen und die Grenze öffnen. Einige können auch über Österreich fliehen.

 

Parallel dazu finden die Friedensgebete in zahlreichen Kirchen der DDR statt, darunter hebt sich vor allem die Leipziger Nikolaikirche hervor. Rasch verliert die DDR an Autorität und neue politische Gruppen und Parteien bilden sich. Die Menschen wollen ihre Rechte und gehen dafür auf die Straße, so stehen am 40. Jahrestag der Gründung der DDR allein in Leipzig mehr als 300.000 Menschen auf der Straße und die Proteste verbreiten sich schnell. Die Reformunwillige DDR wird nun von ihrem eigenen Volk massiv unter Druck gestellt. Im Museum sind zahlreiche Orginalbanner aufgehängt.

 

http://www.hdg.de/leipzig/

 

 

Besuch und Führung durch die Gedenkstätte Runde Ecke:

 

Nach einer kurzen Führung zum Augustusplatz und der Nikolaikirche, sowie einer kurzen Mittagspause war unser nächster Treffpunkt die Runde Ecke am Dittrichring. Hier verbinden sich Willkür des Staates und die Macht der friedlichen Revolution.

Am 4.12.1989 besetzte ein Bürgerkomitee die ehemalige Stasizentrale. Während den Demonstrationen hatten die Menschen zahlreiche Kerzen dort auf den Treppen des Eingangs abgestellt , wo sie sich früher auf Grund von Videoüberwachung kaum vorbeigetraut hatten und häufig auch die Straßenseite wechselten.

 

Heute ist aus dem Gebäude ein Museum geworden, dessen Ausstattung größtenteils so belassen wurde. So sind Fußbodenbelege, Türen, Fenstergitter, Heizungen und Wände noch im Originalzustand. Auch die Art der Ausstellung unterscheidet sich maßgeblich von Museen wie dem Forum ,zwar sind die meisten Stücke auch in Vitrinen ausgelegt,aber die Informationstexte und Darstellungen scheinen provisorisch auf Plakaten beschrieben, gewinnen dadurch aber nur an Authentizität, die offenbar auch so beabsichtigt ist.

 

Der vermeintliche Eingangsbereich, in dem die Gruppe wartet, entpuppt sich als ursprünglich zweigeteilt, so bildet der Großteil des Raumes das ehemalige Büro eines Überwachungsmannes, der allein zuständig war für die Kameras und deren Aufzeichnungen. Der Gang, der kleinere Teil des Raumes, führte zu den Besucherräumen, denn wenn ein Bürger einen Hinweis zu vermelden hatte, wurde er hier verhört. Besonders auffällig waren hier die Türen, denn von außen waren sie problemlos auf zu machen , von innen allerdings waren sie nur mit einem Schlüssel zu öffnen. Also kein Entkommen für die ,die einmal drin waren.

 

Die nächste Station widmete sich den ausgeklügelten Systemen der Spionage  vom Briefverkehr, bis hin zu der Verwendung von Wanzen.

Oft wurden auffällige Briefe und Pakete geöffnet und gerade die aus dem Westen wurden immer durchsucht, dabei wurde das enthaltene Geld großzügig der DDR gespendet, andere Wertgegenstände entfernt und die Musikkassetten für Aufzeichnungen von Telefonaten einfach weiter verwendet. In Leipzig konnte man fast alle Telefone gleichzeitig abhören und aufzeichnen ,was zu dieser Zeit allerdings einen überschaubareren Rahmen hatte. Auch Telegramme wurden zeitgleich in der Stasizentrale ausgedruckt und überprüft. Um Personen leichter identifizieren zu können ,wurden von den geschriebenen Briefen auch Schriftproben genommen , um eindeutig die Handschrift einer verdächtigen Person zuordnen zu können. Obwohl jeder wusste ,dass ihr Briefgeheimnis praktisch nicht existierte , gab sich die Stasi aller größte Mühe den Prozess des Aufdampfens und wieder Zuklebens möglichst unauffällig zu machen. Briefe konnten außerdem auch als Beweismittel gelten ,wenn es um Geruchsproben ging, denn neben den Schriftproben wurden auch zahlreiche Düfte von Personen und Orten konserviert, um sie jederzeit von Hunden wieder spüren zu lassen. Die kleinen rechteckigen gelben Tücher wurden Verdächtigen, bewusst oder unbewusst, lange Zeit angehalten und dann in Glaskonserven fein säuberlich einsortiert.

Länger als die circa neunstündige Briefkontrolle und sehr viel mehr Geschick benötigte die Stasi allerdings für die Anbringung ihrer Wanzen. Jeder mögliche Trick und erdenkbare Ablenkung war recht um unbemerkt in die Wohnung es Betroffenen zu kommen und die Wanzen an den erstaunlichsten Orten zu verstecken , so wurden zum Beispiel auch die Beine von einem Bett ausgetauscht , um sie mit präparierten Beinen zu ersetzen.

In der Öffentlichkeit findet diese Absurdität dann schließlich ihren Höhepunkt. Perücken, falsche Bart- , Nasen-, Ohren- und Bauchteile wurden eingesetzt zum den Agenten möglichst unauffällig aussehen zu lassen und auch hier finden sich in allen möglichen Kleidungsteilen und Taschen Wanzen und winzige Kameras versteckt.

Hatte man dann einen Verdächtigen gefunden, wurde dieser stundenlang verhört, mit Schlafentzug gequält und schließlich nach dem Gestehen verurteilt. Viele wurden hingerichtet ohne verurteilt worden zu sein. Andere Feinde schickte man in Gefängnisse, die brutal und menschenunwürdig mit ihren Häftlingen umging.

Die direkte Art der Zerstörung war aber nicht immer der Weg des MfS, vielmehr hatte man begonnen die Menschen zu zersetzen. Man verpfuschte das Leben des Opfers so, dass es glaubte alles wäre Schicksal. In anderen Fällen ermordet man das Opfer einfach hinterrücks.

Vieles zeichnete die Stasi akribisch auf, so kann man als Betroffener oder Angehöriger seine Akten lesen , die zum Teil unschöne Wahrheiten über die eigenen Freunde und den Verlauf seines Lebens beinhalten können. Uns wurde von einem Mann berichtet, der auch zersetzt wurde und schließlich vollgepumpt mit Alkohol und Betäubungsmittel an einem Waldstück ausgesetzt werden sollte um zu erfrieren. Die friedliche Revolution hat dies aber verhindern können. Einige Akten hatten die Stasibeamten schon versucht zu vernichten, letztendlich ist aber noch viel erhalten geblieben.

 

http://www.runde-ecke-leipzig.de/index.php?id=76

 

Rundum war der Freitag ein sehr aufschlussreicher Tag über die Geschichte der DDR, vor allem die Friedliche Revolution und die Starre und Brutalität im System im Kontrast dazu, wurden sehr deutlich. Auch die Abwechslung von modernen Ausstellungen und zeitgeschichtlichen Orten haben ihren Eindruck hinterlassen. Leider konnte man die Themen durch die Kürze der Zeit nur oberflächlich behandeln und dieser Bericht soll und kann nur einen kurzen Einblick darstellen.

Aylin Michel

 

Fahrt nach Leipzig und Buchenwald Tag 3/4

 

Der letzte Abschnitt unserer Exkursion führte uns nach Buchenwald, einem ehemaligen Konzentrationslager der Nationalsozialisten, das jetzt als Museum und Gedenkstätte dient.

Dort kamen wir nach einer verschneiten und somit etwas längeren Busfahrt gegen Samstagvormittag an und bezogen sogleich unsere Zimmer in zwei der ehemaligen SS-Kasernen.

In zwei Gruppen eingeteilt stellten wir uns unseren Guides vor. Anschließend gab es das verdiente Mittagessen. Nachdem dieses etwas verdaut worden war, gab es bei gefühlten -20°C den ersten Rundgang über das eingeschneite Gelände. In einer anschließenden Gesprächsrunde tauschten wir erste gewonnene Erkenntnisse aus.

Nach dem Abendessen bestand noch genug Zeit für eigenständige Arbeit mit Archivmaterial. Das half sehr, den Eindruck über das Leben der Häftlinge zu vertiefen.

Da die Nacht in Leipzig nicht spurlos an uns vorbeigegangen ist, gingen wir recht zeitig ins Bett.

Nach dem Frühstück und dem Auszug aus den Zimmern, besichtigten wir das Museum über die Geschichte des Lagers. Als letztes gab es einen Rundgang über de Mahnmalsanlage mit anschließender Besteigung des Glockenturms. Damit war unsere Zeit in Buchenwald auch schon vorbei; wir verabschiedeten und von unseren Guides und stiegen in den Bus gen Heimat.

Insgesamt war die Exkursion hochinteressant, allerdings durch das vollgepackte Programm auch in  hohem Maße anstrengend.

Julius Wessolek

 

Erstellt: Christian Klein (05.03.2012) Letzte Änderung: Christian Klein (05.03.2012)